Überblick
Der Ablauf in vier Phasen
Jede Injektion folgt demselben Grundgerüst. Nur Phase 3 unterscheidet sich je nach Technik. Wer die Reihenfolge verinnerlicht, vergisst keinen Schritt.
Phase 1
Patient: Anamnese, Aufklärung, Einwilligung
Ohne wirksame Einwilligung ist jede Injektion rechtlich eine Körperverletzung. Die Aufklärung muss rechtzeitig, verständlich und persönlich erfolgen.
Checkliste Gespräch
Typische Kontraindikationen ergänzt
| Allgemein | Bekannte Allergie gegen Wirkstoff oder Hilfsstoffe, Entzündung, Ekzem oder Verletzung an der Einstichstelle, fehlende Einwilligung |
|---|---|
| i.m. | Antikoagulation oder Gerinnungsstörung, Schock (Resorption unsicher), Verdacht auf Herzinfarkt, Lähmung oder Ödem der Extremität |
| i.v. | Arm mit Dialyse-Shunt, Arm nach Lymphknotenentfernung (z. B. nach Brustkrebs-OP), gelähmter Arm, Thrombophlebitis |
| s.c. | Ödeme, Narben, Hämatome oder Lipodystrophie an der Stelle, ausgeprägter Schock |
Phase 2
Vorbereitung: Notfall, Hygiene, Tablett
Das Notfallset steht bereit, bevor die erste Ampulle geöffnet wird. Danach wird von „sauber“ nach „unsauber“ gearbeitet.
Die „R-Regel“ vor jeder Gabe
- Rrichtiger Patient
- Rrichtiges Medikament
- Rrichtige Dosis
- Rrichtige Applikation
- Rrichtiger Zeitpunkt
- Rrichtige Dokumentation ergänzt
Die Tabelle nennt die klassischen 5 R plus Ablaufdatum. Viele Lehrbücher ergänzen die Dokumentation als 6. R. Kontrolle dreimal: beim Herausnehmen, beim Aufziehen und direkt vor der Gabe. ergänzt
Ablauf der Vorbereitung
Tablett Material
Kanülen erkennen: Farbcode am Ansatz ergänzt
Die Farbe am Kanülenansatz zeigt den Außendurchmesser nach ISO 6009. Je höher die Gauge-Zahl (G), desto dünner die Kanüle. Die Nummern sind die gängige Hersteller-Nummerierung; verbindlich sind G und mm auf der Packung.
| Farbe | Nr. | Gauge | Ø × Länge | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|---|
| rosa | – | 18 G | 1,20 × 40 mm | Aufziehkanüle |
| gelb | 1 | 20 G | 0,90 × 40 mm | i.m. ventrogluteal |
| grün | 2 | 21 G | 0,80 × 40 mm | i.m., Blutentnahme |
| schwarz | 12 | 22 G | 0,70 × 30 mm | i.m. Deltamuskel, i.v. |
| blau | 14 / 16 | 23 G | 0,60 × 30 / 25 mm | i.v., s.c. |
| lila | 17 | 24 G | 0,55 × 25 mm | s.c. |
| braun | 18 / 20 | 26 G | 0,45 × 25 / 12 mm | s.c., i.c. |
| grau | – | 27 G | 0,40 × 20 mm | i.c., Quaddeln |
Phase 3
Durchführung nach Injektionsart
Entscheidend sind Zielschicht und Einstichwinkel. Je tiefer das Ziel, desto steiler der Winkel. Die i.v.-Injektion ist die Ausnahme: Die Vene liegt oberflächlich, deshalb flach.
| Art | Zielschicht | Winkel | Menge | Aspiration | Wirkungseintritt |
|---|---|---|---|---|---|
| i.c. | Lederhaut | 5–15° | 0,1–0,5 ml / Quaddel | nein | lokal |
| s.c. | Unterhautfettgewebe | 45° (Pen: 90°) | bis 2 ml, max. 3 ml | nicht mehr gefordert | langsam, ca. 20–30 min |
| i.m. ergänzt | Muskel | 90° | Deltamuskel max. 2 ml, gluteal bis 5 ml | ja (gluteal) | mittel, ca. 10–15 min |
| i.v. | oberflächliche Vene | 15–30°, dann flach | je nach Präparat | ja, Lagekontrolle | sofort |
| Infusion | Vene (Dauerzugang) | wie i.v. | meist 100–500 ml | Blutrückfluss prüfen | sofort, gleichmäßig |
Tropfenrechner Infusion ergänzt
Faustregel beim 20er-Besteck: 1 Tropfen pro Sekunde ≈ 3 ml pro Minute ≈ 180 ml pro Stunde. Vorrang hat immer die Angabe des Herstellers.
Phase 4 ergänzt
Nachsorge und Dokumentation
Die meisten allergischen Reaktionen treten in den ersten Minuten auf. Der Patient bleibt deshalb unter Beobachtung, bevor er die Praxis verlässt.
Nach der Injektion
Was in die Dokumentation gehört
| Wann | Datum, Uhrzeit |
|---|---|
| Was | Präparat, Wirkstoff, Chargennummer, Dosis |
| Wie | Applikationsart, Injektionsort, Seite |
| Vorher | Aufklärung und Einwilligung (mit Unterschrift) |
| Nachher | Verträglichkeit, Reaktionen, getroffene Maßnahmen |
| Wer | Name der durchführenden Person |
Wissen ergänzt
Komplikationen erkennen und handeln
| Komplikation | Erkennen | Handeln | Betrifft |
|---|---|---|---|
| Vasovagale Synkope | Blässe, Schwitzen, Schwindel, Bewusstlosigkeit | Injektion stoppen, flach lagern, Beine hoch, Vitalzeichen prüfen | alle, vor allem i.v. |
| Anaphylaxie | Juckreiz, Quaddeln, Atemnot, Blutdruckabfall | Sofort stoppen, Zugang liegen lassen, 112, siehe Notfall | alle |
| Paravasat | Schwellung, Schmerz, Brennen an der Einstichstelle, Infusion tropft schlecht | Sofort stoppen, Kanüle entfernen, hochlagern, kühlen, dokumentieren | i.v., Infusion |
| Intraarterielle Fehlpunktion | Hellrotes, pulsierendes Blut; heftiger, brennender Schmerz; Blässe der Hand | Nicht injizieren. Ist schon injiziert: Kanüle liegen lassen, 112 | i.v. (Ellenbeuge) |
| Nervenverletzung | Einschießender, elektrisierender Schmerz ins Bein oder in den Arm | Sofort abbrechen, Kanüle zurückziehen, neurologisch abklären lassen | i.m. (N. ischiadicus), i.v. |
| Hämatom | Blauverfärbung, Schwellung | Komprimieren, Arm gestreckt halten, kühlen | i.v., i.m. |
| Spritzenabszess | Tage später Rötung, Überwärmung, Schmerz, Fieber | Ärztliche Behandlung, Vorbeugung durch saubere Asepsis | i.m., s.c. |
| Luftembolie | Atemnot, Brustschmerz, Zyanose | Linksseitenlage, Kopf tief, 112. Vorbeugen: Spritze und Schlauch sorgfältig entlüften | i.v., Infusion |
Notfall
Anaphylaxie: Stadien und Sofortmaßnahmen
Bei jedem Verdacht gilt: Zufuhr stoppen, venösen Zugang liegen lassen, Notruf 112, Patient nicht allein lassen. ergänzt
Notfallausstattung
Adrenalin, Kortison und Antihistaminika zur Injektion sind verschreibungspflichtig. Einige Apotheken geben sie für den Praxis-Notfallbedarf dennoch an Heilpraktiker ab, z. B. die Fixmedika Apotheke und die Arnika Apotheke in Unterhaching.
Üblicherweise verlangt werden:
- Kopie der Heilpraktiker-Urkunde
- Personalausweis
- Bestätigung, dass in der Praxis Neuraltherapie durchgeführt wird (relatives Anaphylaxie-Risiko)
Ablaufdaten regelmäßig kontrollieren. Unabhängig von der eigenen Ausstattung gilt: bei Anaphylaxie immer sofort 112 alarmieren.
Selbstcheck
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